Proptech: Vom Immobilien-Entwickler zum digitalen Service-Anbieter

Proptech:
Vom Immobilien-
Entwickler
zum digitalen
Service-Anbieter

Entwickler und Verwalter von Wohn-Immobilien sind dabei, ihre Liegenschaften mit digitalen Services für die Bewohner aufzurüsten. Die Spanne reicht von der Online-Vertragsverwaltung und Nebenkostenabrechnung über mit dem Smartphone gesteuerte Zutrittsberechtigungen bis zum Hausmeisterdienst per App. Das ist initial aufwändig, lohnt sich für die Anbieter aber aus zwei Gründen:

  • Mittelfristig kann sich ein Immobilienunternehmen als Vorreiter positionieren und neue Branchen-Standards dafür setzen, wie Bewohner digital bedient werden.
  • Langfristig lassen sich mit Daten von Bewohnern und Liegenschaften neue Wertschöpfungspotenziale realisieren, mit denen Immobilien-Unternehmen zugleich digitale Service-Anbieter werden.

Soweit die Theorie. Der Plan geht aber nur dann auf, wenn die Bewohner die digitalen Services auch wirklich gerne nutzen. Dazu müssen nicht nur die Funktionalitäten und Features ihren echten Bedürfnissen entsprechen, sondern auch das User Interface auf der Höhe der Zeit sein. Denn die Chance ist extrem hoch, dass die Bewohner (und die Mitarbeiter des Bewirtschafters) bereits „digital verwöhnt“ sind, von Amazon, Google oder Apple vielleicht. Ohne gute User Experience kann heute kein digitaler Service langfristig erfolgreich sein.

Attraktive digitale Services für Bewohner

Das Frontend der Anwendung muss so ansprechend sein, dass der Bewohner sie gerne und regelmäßig nutzt und als die zentrale Oberfläche akzeptiert, wenn es um seine Wohnung geht. Und natürlich muss die App oder Web-Plattform das Leben spürbar erleichtern:

  • Einfache Verwaltung von Vertragsdokumenten ohne Papier: Änderungen wie etwa den neuen Nachnamen nach einer Hochzeit sollten Bewohner selbst vornehmen können. Ist der Bewohner Eigentümer seiner Wohnung, so könnten hier auch Informationen zum Finanzierungsstatus einsehbar sein.
  • Echtzeit- (oder tagesaktuelle) Verbrauchswerte: Um die Verbrauchsmengen bei Strom, Gas und Wasser zu erfahren, sollte niemand mehr den analogen Zähler ablesen müssen.
  • Digitale Zutrittsberechtigungen für Bewohner und ihre Gäste entlasten den Schlüsselbund: vom Generalschlüssel bis zur temporären Zutrittsberechtigung für Handwerker oder Übernachtungsgäste. Junge PropTech-Unternehmen wie Sensorberg haben hier erste Lösungen am Markt etablieren können.
  • Ein digitales Forum, kein schwarzes Brett an der Eingangstür: Facebook in „hyperlokal“ für die Bewohner einer Liegenschaft.
  • Kontextuelle Themen und Angebote: Etwa ein Übersicht der in der Wohnung verfügbaren Anbieter für Internet, Telefon und Fernsehen. Auch ein Umgebungsplan ist für vor allem für neue Bewohner sinnvoll.
  • Personalisierung & Erweiterbarkeit: In die Anwendung sollten sich auch Drittanbieter-Services für „Smart Home“ integrieren lassen, etwa für die Steuerung von Beleuchtung oder Bewässerung – je nach individuellem Bedarf.

Datengewinn & Kostensenkung für Bewirtschafter

Auch das Frontend der Anwendung für Bewirtschafter muss so ansprechend sein, dass es als die zentrale Oberfläche zur Verwaltung akzeptiert wird. Und es muss bestimmte Kernfunktionen bieten, die die tägliche Arbeit erkennbar erleichtern:

  • Zentrale Dokumentenverwaltung: Auch der Bewirtschafter profitiert davon, wenn Vertragsunterlagen nicht mehr in Aktenschränken versteckt sind.
  • Mehr Übersicht: Alle relevanten Information über sämtliche Liegenschaften, frei gruppierbar in einer intuitiven Ansicht – das ist schwer lösbar in Excel oder auf Papier.
  • Echtzeit-Kommunikation: Für die Bewohner wichtige Informationen wie ein temporäre Unterbrechung der Wasserversorgung wegen Bauarbeiten können direkt geteilt werden, statt am Schwarzen Brett verloren zu gehen.
  • Verbrauchsübersicht: Die Kommunikation des aktuellen Verbrauchs in Richtung der Bewohners senkt die Anzahl der Nachfragen und Beschwerden. Das nimmt einen der vielen negativen Kontaktpunkte zwischen Bewirtschafter und Bewohner aus dem Spiel.
  • Strukturiertes Ticketing-System: Statt schriftlich oder telefonisch stellen Bewohner ein Ticket zur Bearbeitung durch den Bewirtschafter ins System ein. Über die Anwendung bleiben beide Seiten in Kontakt und können jederzeit den Status des Tickets einsehen. Auch weitere Stellen wie andere Bewohner oder externe Dienstleister wie Handwerker können einbezogen werden.
  • Weniger Aufwand mit neuen Bewohnern: Zieht ein neuer Bewohner ein, können an zentraler Stelle alle nötigen Änderungen vorgenommen werden, vom neuen Namen auf dem Klingelschild bis zur Beschriftung des Stellplatzes in der Tiefgarage.
  • Mehr Effizienz dank Digitalisierung: Sind die Grundlagen geschaffen, können aufwändige manuell-papierhafte Prozesse häufig automatisiert werden.

Digitale Transformation beginnt am Frontend

Ein User Interface, das die Bedürfnisse der Bewohner und Bewirtschafter gleichermaßen bedient und alle Funktionen bequem und übersichtlich bereitstellt, kann schnell großen Erfolg haben. Daraus eröffnen sich mittelfristig ganz neue Wertschöpfungspotenziale, etwa durch die Lizenzierung der Anwendung an Dritte.

So wandeln sich Immobilien-Unternehmen erfolgreich zu digitalen Service-Anbietern: Von außen nach innen, beginnend an der direkten Schnittstelle zum Kunden.

Aber auch innerhalb des klassischen Geschäftsmodells eröffnen sich neue Möglichkeiten. Auf Basis der gewonnenen Bewohnerdaten in Kombination mit Gebäudeinformationen und öffentlich verfügbaren Daten lassen sich neue Konzepte für Gebäude und ganze Stadtviertel realisieren. So könnten etwa bisher getrennte Lebensbereiche zusammengeführt werden: Wohnen und Arbeiten, Arbeiten und Konsum, Kinder- und Altenbetreuung am Wohn- und Arbeitsort, Privat- und Geschäftsleben.

Dieses „Bauen mit Daten“ ist vielleicht noch eine Vision. Aber in der Zeit, die ein größeres Bauprojekt bis zur Fertigstellung benötigt, kann sie bereits Realität werden.

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