Digitalisierung im Gesundheitswesen: So gelingt der Wandel!

Digitalisierung im Gesundheitswesen

Die Digitalisierung im Gesundheitswesen betrifft alle Unternehmen der Branchen aus Pharma, Healthcare, Biotech und Life Science. Wir informieren Sie über Herausforderungen und Möglichkeiten. So gelingt die Umsetzung auch in Ihrem Unternehmen.

Alle Themen dieses Artikels und weiterführende Informationen, übersichtlich aufbereitet zur weiteren Verwendung in Ihrem Unternehmen, erhalten Sie auch in unserem kostenlosen Whitepaper.

Inhaltsverzeichnis

  1. Darum treiben Sie jetzt die Digitalisierung im Gesundheitswesen voran
    1. Telemedizin – Flexibler digitaler Arztbesuch
    2. Telematikinfrastruktur – Anschluss komplexer Systeme ermöglichen
    3. Digitalisierung der Medizin
  2. eHealth, mHealth und Digital Health: Die drei Säulen der Digitalisierung von Gesundheit
    1. E-Health – Daten rechtssicher und integer kommunizieren
    2. mHealth – Öffentliche Gesundheit aktiv fördern
    3. Digital Health – Ärzte und Patienten unterstützen
  3. Die Umsetzung der Digitalisierung in Pharma, Biotech, Life Science und anderen Branchen
    1. Die Digitalisierung der Pharmaindustrie
    2. Biotech-Unternehmen auf dem Vormarsch
    3. Life-Science – Am Puls der Zeit bleiben
    4. Die Digitalisierung der Apotheken
    5. Digitale Krankenkassen – Prävention als Schlüssel
  4. Kundenansprache im digitalen Zeitalter: Neue Möglichkeiten für Marketing und Vertrieb
    1. Healthcare-Marketing
    2. Pharma-Marketing & Vertrieb
  5. Diese Trends werden die Zukunft der Digitalisierung im Gesundheitswesen bestimmen
    1. Healthtech – Startups treiben die Digitalisierung voran
    2. Trends im Gesundheitswesen
    3. Trends in der Pharmaindustrie
  6. Konkreter Einsatz von Technologien und Methoden im Unternehmen
    1. Datenintegrität in der Pharmaindustrie
    2. KI in der Pharmaindustrie
  7. Whitepaper zur Digitalisierung im Gesundheitswesen

Darum treiben Sie jetzt die Digitalisierung im Gesundheitswesen voran

Die Anforderungen an die Digitalisierung der Unternehmen und Einrichtungen aus Pharma, Healthcare, Biotech und Life Science sind stark gestiegen. Die Corona-Pandemie war dabei zwar nicht der Anlass, aber ein deutlicher Beschleuniger.

Tatsächlich kommt der Druck zur Digitalisierung aus vielen Richtungen:

  • Innerbetriebliche Gründe: Gewachsene IT-Systeme und -Infrastrukturen mehren den Verwaltungsaufwand und hemmen die Flexibilität.
  • Ansprüche der Konsumenten: Patienten und Kunden fordern die Ausweitung digitaler Angebote bei gleichzeitiger Einhaltung ihres Datenschutzes.
  • Druck durch Konkurrenz: Einige Unternehmen nehmen die Hürden der Digitalisierung leichter und können sich so besser positionieren.
  • Staatliche Einflüsse: Die Gesetzgeber nehmen mit eigenen Initiativen wie dem E-Health-Gesetz Einfluss auf die Branche.
  • Internationale Wettbewerbsfähigkeit: Unternehmen anderer Staaten können auf bessere Infrastrukturen und Förderungen zurückgreifen, sind z.T. weniger reguliert.
  • Umwelteinflüsse: Weltweit steigen Katastrophenfälle in Folge des Klimawandels, aber auch weitere Pandemien werden wahrscheinlicher.

In dieser Lage wird deutlich: Die Digitale Transformation in Ihrem Unternehmen muss jetzt Fahrt aufnehmen. Sie sollten schon heute die geeigneten Maßnahmen ergreifen, die Ihr Unternehmen für die Zukunft absichern und neue Wertschöpfungen ermöglichen.

Doch worin liegen die Herausforderungen und Möglichkeiten der Digitalisierung? Das wird anhand zweier Kernthemen der digitalen Gesundheit deutlich: der Telemedizin und der dazugehörigen Telematikinfrastruktur, deren Einsatz während der Corona-Pandemie deutlich ausgeweitet wurde.

Telemedizin – Flexibler digitaler Arztbesuch

Die Idee, medizinische Beratung und Überwachung über die Telefonverbindung vorzunehmen, ist nicht neu, tatsächlich stammt sie noch aus dem analogen Zeitalter. Jedoch haben erst die Möglichkeiten der digitalen Welt der Telemedizin den entscheidenden Schub gegeben. Dazu gehören hohe Bandbreiten in belastbaren Netzwerken und auf dem Massenmarkt verfügbare Endgeräte mit hochqualitativen Audio- und Video-Aufnahmemöglichkeiten.

Fernbehandlung: Video-Sprechstunden immer beliebter

Vor Covid-19 war die Akzeptanz der Telemedizin nicht weit verbreitet. Die Skepsis der Patienten wich im Jahr 2020 allerdings der Angst vor Ansteckung in den Wartezimmern der Arztpraxen. So stieg laut der Bitkom-Studie “Digital Health 2020” zwischen Mai 2019 und Juli 2020 der Anteil der Patienten, die eine Video-Sprechstunde in Anspruch genommen hatten, von 5 % auf 13 %. Der Anteil derer, die sich vorstellen konnten, eine Video-Sprechstunde in Anspruch zu nehmen, stieg dabei von 30 % auf 45 %.

Telemedizin Video-Sprechstungen Akzeptanz

(aus: “Digital Health 2020“, Studie von Bitkom)

Diese neue Akzeptanz sorgt im Umkehrschluss auch für eine gestiegene Erwartungshaltung an das telemedizinische Angebot. Sowohl aus der Sicht der Öffentlichen Gesundheit und Compliance als auch von Seiten der Nutzer und Patienten. Denn neben der Video-Sprechstunde sind noch viele weitere telemedizinische Anwendungen möglich.

Erfahren Sie mehr über den Einsatz der Fernbehandlung

Weitere Beispiele für telemedizinische Anwendungen:

  • Warnung vor Vorhofflimmern bei Herzkranken durch ständige Messung und Kommunikation des Pulses durch Wearables.
  • Asynchrone Behandlungs- und Therapiemöglichkeiten durch Video-Ratgeber und vorgeschaltete Apps.
  • Mobile Geräte, die mithilfe von Sensorik und Blockchain-Technologie medizinische Daten sicher erfassbar und prozessierbar machen.

Die Breite dieser Möglichkeiten zeigt das hohe Potenzial der Telemedizin für die Zukunft auf. So schätzt das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie in einer Studie von 2021 das Marktpotenzial telemedizinischer Anwendungen im Jahr 2030 zwischen 1,4 und 3,6 Milliarden Euro ein.

Marktpotential Telemedizin

(aus: “Perspektiven für die Telemedizin”, Studie im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie)

Um dieses Potenzial voll auszuschöpfen, müssen Sie die Herausforderungen der Telemedizin meistern. Diese liegen vor allem im sog. Frontend, der digitalen Schnittstelle zum Anwender. Telemedizinische Anwendungen müssen für diese Anwender optimiert sein – sowohl auf der Seite des medizinischen Fachpersonals als auch auf der Seite der Patienten. Bei der Vielzahl von Endgeräten und unterschiedlichen Zielgruppen ist daher ein flexibles Frontend der Schlüssel zur erfolgreichen Umsetzung.

Herausforderungen der Telemedizin:

  • Plattformübergreifende Kompatibilität sicherstellen
  • Anwendungen flexibel als App oder direkt im Browser verfügbar machen
  • Die Nutzererfahrung an den Bedürfnissen der Patienten orientieren
  • Hohe Usability bei gleichzeitiger Einhaltung des Datenschutzes gewährleisten

Erfahren Sie mehr über die Möglichkeiten und Herausforderungen der Telemedizin

Telematikinfrastruktur – Anschluss komplexer Systeme ermöglichen

Zu den Herausforderungen im Frontend kommen die hohen Anforderungen an das sog. Backend. Im Backend werden alle Daten, wie bspw. Patientendaten, erfasst, gespeichert, verarbeitet und zur Ausgabe im Frontend aufbereitet. Viele kleine Praxen von bspw. Ärzten, Zahnärzten oder Psychotherapeuten arbeiten mit wenig komplexen Backends und standardisierter Software.

In größeren Einrichtungen wie Krankenhäusern, spezialisierten Kliniken oder Pflegeeinrichtungen erreichen Backends dagegen häufig eine große Komplexität. Hier kommen neben standardisierter Software oftmals auch hauseigene Lösungen und Anbindungen an Drittsysteme zum Einsatz, um die ineinandergreifenden Prozesse zwischen einzelnen Abteilungen intern kompatibel zu halten.

Diese über die letzten Jahrzehnte gewachsenen und gepflegten Systeme versprechen auf der einen Seite Stabilität und Sicherheit im internen Betrieb. Auf der anderen Seite können sie jedoch zum Flaschenhals in der Digitalisierung werden, da die Anbindung neuer Systeme an das alte Backend mit hohen Aufwänden, sowohl zeitlich als auch finanziell, verbunden sind.

Telematikinfrastruktur im Krankenhaus

(Anschluss an die Telematikinfrastruktur im Krankenhaus)

Dieser Mangel an Flexibilität zeigt sich aktuell besonders beim Anschluss der Krankenhäuser an die Telematikinfrastruktur (TI). Die Telematikinfrastruktur ist das bundesweite Netzwerk zur sicheren digitalen Kommunikation von Patientendaten. Durch die TI werden digitale Services wie die elektronische Patientenakte (ePA), die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) und das elektronische Rezept (eRezept) ermöglicht. Der Gesetzgeber hatte hier ursprünglich zum 01.01.2021 eine Frist gesetzt.

“Die Krankenhäuser haben sich bis zum 1. Januar 2021 mit den für den Zugriff auf die elektronische Patientenakte erforderlichen Komponenten und Diensten auszustatten und sich an die Telematikinfrastruktur nach § 306 anzuschließen.” (§ 341 SGB V Elektronische Patientenakte, Abschnitt 7)

Allerdings ist es vielen Krankenhäusern nicht gelungen, diese Frist einzuhalten. Neben der großen Belastung durch die Corona-Pandemie und Problemen bei der Hardware liegt dies in vielen Fällen an inkompatiblen Altsystemen im Backend der Krankenhäuser. Krankenhausbetreiber und IT-Beauftragte sehen sich hier vor große Herausforderungen gestellt.

Herausforderungen beim Anschluss an die Telematikinfrastruktur

  • Anpassung der Altsysteme, um neue Systeme flexibel zu integrieren
  • Beständigkeit des Backends trotz gestiegener Flexibilität erhalten
  • Ersetzen der bewährten Systeme vermeiden
  • Zulassung des eigenen Backends bei der Gematik (Anbieter der TI) erreichen

Erfahren Sie mehr über die Umsetzung der Anbindung an die Telematikinfrastruktur

Wie bewältigen Sie diese Herausforderungen, um die Digitalisierung der Medizin voranzutreiben?

Die Beispiele aus Telemedizin und Anschluss an die Telematikinfrastruktur zeigen zwei aktuell große Themen der Digitalisierung der Medizin auf. Vielleicht sind beide Felder für Ihr Unternehmen nicht so sehr von Bedeutung. Es lassen sich jedoch in beiden Fällen grundsätzliche Herausforderungen der Digitalisierung ausmachen, der sich alle Unternehmen und Einrichtungen aus Pharma, Healthcare, Biotech und Life Science stellen müssen.

Die grundsätzlichen Herausforderungen der Digitalisierung der Medizin

  1. Flexibilität im Frontend erreichen
  2. Stabilität im Backend bewahren

Unter Flexibilität im Frontend verstehen wir die zielgruppengerechte Ansprache Ihrer Patienten und Kunden über alle Plattformen und Endgeräte hinweg. Mit optimalen Nutzererfahrungen gewinnt Ihr Unternehmen dabei neue Kunden und Patienten und erhält Ihre Bestandskunden. Dies alles unter Einhaltung der strengen Datenschutzgesetze.

Dagegen bedeutet Stabilität im Backend die strukturelle Bewahrung Ihres bestehenden IT-Ökosystems (ohne eine Modernisierung auszuschließen). Schließlich ist es nicht ohne Grund schon so lange der Garant für die Sicherheit und Beständigkeit Ihrer IT. Statt einer aufwändigen und teuren Komplettumstellung können Sie Schnittstellen (APIs) für die Anbindung neuer Systeme schaffen und Daten zentral aggregieren und prozessieren.

Für die erfolgreiche digitale Transformation eines Unternehmens müssen diese beiden Herausforderungen gleichzeitig gelöst werden.

Technisch möglich machen das sogenannte API-Gateways: Sie übernehmen beispielsweise wiederkehrende Aufgaben beim Datenaustausch zwischen Backend- und Frontendsystem wie die sichere Anbindung von Nutzer-Logins oder die stabile Verwendung entfernter Datenquellen. So können API-Gateways die Realisierung von Frontend-getriebenen Digitalisierungsprojekten deutlich erleichtern.

Durch Flexibilität im Frontend und Stabilität im Backend gelingt die Digitale Transformation Ihres Unternehmens. Lesen Sie dazu unser kostenloses Whitepaper für die Digitalisierung im Gesundheitswesen. Dort erfahren Sie auch mehr über drei konkrete Anwendungsfälle für API-Gateways.

Digitalisierung im Gesundheitswesen Whitepaper Avenga

E-Health, mHealth und Digital Health: Die drei Säulen der Digitalisierung von Gesundheit

Wo beginnt die Digitalisierung von Gesundheit, und welche Erwartungen gehen damit einher? Zu einer besseren Abgrenzung unterscheiden wir die drei Säulen der Digitalisierung von Gesundheit – E-Health, mHealth und Digital Health – in ihren Einsatzgebieten und Zielen.

E-Health – Daten rechtssicher und integer kommunizieren

Mit E-Health (Electronic Health, manchmal “eHealth”) wird die Erfassung, Übertragung und Speicherung von medizinischen Daten beschrieben. Die Kommunikation medizinischer Daten (elektronische Gesundheitskarte) wie z.B. Notfalldaten, Medikationsplan oder elektronisch dokumentierte Erklärungen zur Organspende, aber auch Anwendungen der Telemedizin gehören dazu. Zugleich umfasst der Begriff den Einsatz von Gesundheitsapps, die bei der Behandlung von Krankheiten, dem Ausgleich von Behinderungen oder in der Prävention zum Einsatz kommen.

Zu den wichtigsten Aufgaben gehört dabei der rechtssichere und integre Austausch von Daten über mehrere Systeme hinweg. Das Ziel von E-Health ist, die Administration und Kommunikation digitaler medizinischer Daten zu gewährleisten und zu vereinfachen.

Um das zu erreichen, müssen zum einen Schnittstellen und Standards geschaffen werden, die ansonsten inkompatible Systeme miteinander verbinden und Datenintegrität gewährleisten. Zum anderen müssen die Regelungen zum Datenschutz der Patienteninformationen und die Bestimmungen des E-Health-Gesetzes eingehalten werden.

Zum Bereich der E-Health gehören der Anschluss an die Telematikinfrastruktur sowie der Einsatz moderner Technologien wie Blockchain und API-Gateways. Dadurch werden Anwendungen aus mHealth und Digital Health flexibel ermöglicht, bei gleichzeitiger Erhaltung eines stabilen und sicheren Datenmanagements.

mHealth – Öffentliche Gesundheit aktiv fördern

Unter mHealth oder Mobile Health verstehen wir Anwendungen und tragbare Systeme, die in der Öffentlichen Gesundheit und im nicht-stationären Bereich eingesetzt werden. Dabei stehen insbesondere die individuelle Vorsorge und Fürsorge im Vordergrund. Das Ziel von mHealth ist somit die bessere Aufklärung und Durchsetzung von Public Health.

Doch auch die Anwendungsmöglichkeiten moderner Peripheriegeräte wie die Kameras von Laptops und Smartphones im medizinischen Kontext fallen in den Bereich der mHealth. Hierunter fallen die Nutzung von Telemedizin und Telerehabilitation in Abhängigkeit von der technischen Ausstattung der Anwender bzw. Patienten.

Diese Anwendungen und mobilen Geräte müssen also flexibel an die Ausgabegeräte angepasst werden und den Ansprüchen einer modernen Nutzererfahrung genügen. In der Entwicklung von mHealth-Produkten spielen daher die Erfahrung aus dem nutzerorientierten Produktmanagement und der Entwicklung mobiler Anwendungen zusammen.

Digital Health – Ärzte und Patienten unterstützen

In den Bereich der Digital Health fallen alle Systeme und Technologien, welche die Gesundheit von Patienten überwachen und bewerten. So sollen nicht nur die Diagnose und Behandlung von Krankheiten unterstützt werden, sondern auch deren Prävention und Prognose. Das Ziel von Digital Health ist die Optimierung von medizinischer Compliance.

Dazu gehören Hilfsmittel, die Patienten im Alltag unterstützen und ein ambulantes Monitoring ermöglichen. Dies entlastet und unterstützt das Fachpersonal in Pflege und ärztlicher Behandlung. Durch Methoden aus der KI wie Machine Learning können die erhobenen Patientendaten zudem ausgewertet werden und Vorschläge zur Weiterbehandlung und Rehabilitation eingebracht werden.

Während E-Health also die administrativen und kommunikativen Grundlagen der Digitalisierung beschreibt und mHealth den Fokus auf den Anwender legt, verbindet Digital Health diese Bereiche auf einen ganzheitlichen Austausch zwischen Patient und medizinischem Fachpersonal.

Erfahren Sie mehr über Digital Health und ihre Anwendungsmöglichkeiten

Die Umsetzung der Digitalisierung in Pharma, Biotech, Life Science und anderen Bereichen

Die grundlegenden Herausforderungen für die Digitalisierung in den einzelnen Bereichen mögen ähnlich sein: Es gilt zum einen, Kunden und Patienten flexibel ansprechen und behandeln zu können. Zum anderen müssen die Unternehmen und Einrichtungen ihre Infrastrukturen und Systeme modernisieren und integrieren.

Jedoch gibt es unterschiedliche Erwartungen und Chancen in Bezug auf die Digitale Transformation. Wir führen daher hier die einzelnen Bereiche und ihre individuellen Herausforderungen und Möglichkeiten in der Digitalisierung auf.

Die Digitalisierung der Pharmaindustrie

Mit mehr als 140.000 Angestellten und einem Jahresumsatz von 49,5 Milliarden Euro im Jahr 2020 (Angaben für Deutschland) ist die Pharmabranche ein wichtiger nationaler und internationaler Wirtschaftszweig. Ein hoher Innovationsdruck durch äußere Einflüsse und gestiegene Anforderungen an Forschung und Entwicklung rücken die Digitalisierung immer stärker in den Fokus der Pharmaunternehmen.

Jetzt ist daher die Zeit für große Investitionen, um die Unternehmen der Pharmabranche gut gewappnet für die Herausforderungen der Zukunft aufzustellen. Im Interview mit Dr. Alexander Tarlatt von der unter anderem auf das Gesundheitswesen spezialisierten Top-Management-Beratung Santiago Advisors zeigen wir die wichtigsten digitalen Potenziale der Pharmabranche auf:

Erfahren Sie mehr über die digitalen Potenziale der Pharmabranche

Dabei zeichnet sich ein hoher Bedarf an individuellen Lösungen ab. Angepasst an die komplexen Regeln des Marktes haben sich IT-Systeme in der Pharmaindustrie häufig selbstständig und individuell entwickelt. Mehr noch als in anderen Branchen liegen hier gewachsene hauseigene IT-Ökosysteme vor. Diese sind ganz auf die Bedürfnisse des eigenen Unternehmens zugeschnitten und sorgen intern für stabile und sichere Abläufe.

Doch mit den gestiegenen Anforderungen an Forschung und Entwicklung wächst auch der Modernisierungsdruck auf die bewährten Systeme. Unternehmen können die “Trias aus Preis, Time-to-Market und stetigem Fortschritt” (so Dr. Alexander Tarlatt) dauerhaft optimieren, wenn sie Datenintegrität, Qualitätssicherung sowie flexible Datenerfassung und -Ausgabe digital gewährleisten.

Erfahren Sie mehr über die Digitalisierung der Pharmaindustrie

Biotech-Unternehmen auf dem Vormarsch

Die Biotech-Branche gilt heute als Garant für die Entwicklung hochwirksamer Impfstoffe gegen SARS-CoV-19 und seine Mutanten. Das zeigt sich auch in Umsatzzahlen: BioNTech etwa erreichte 2020 rund 480 Millionen Euro Umsatz, im ersten Quartal 2021 bereits über 2 Milliarden Euro. Beispiele wie die nicht erfolgreiche Zulassung des Corona-Impfstoffs von CureVac im Jahr 2021 machen jedoch auch deutlich: Der enorme Druck auf Forschung und Entwicklung geht mit hohen Risiken einher.

Staatliche Fördergelder und Investoren sorgen für finanzielle Mittel in Stresszeiten. Es liegt an den Unternehmen, diese Geldmittel für Aufwände in der Forschung einzusetzen, aber auch in die laufende Prozessoptimierung und Digitalisierung zu investieren.

Bislang analoge oder semi-digitale Laborprozesse wie Messungen und Datenabgleiche können über das Internet der Dinge und die Anbindung an Forschungsnetzwerke digitalisiert werden. Technologien wie Big Data und Machine Learning unterstützen Forschende dabei. Sie können aus einer Masse von Daten automatisiert Prognosen ableiten und laufende Versuchsreihen überwachen.

Life-Science – Am Puls der Zeit bleiben

Life Science ist besonders divers, unter dem Begriff werden viele Bereiche zusammengefasst – auch einige, in denen aktiv an neuen Lösungen in der Medizin gearbeitet wird. Hierzu zählen Unternehmen aus Pharma, Biotechnologie, Healthcare und Medizintechnik. Die Life-Science-Branche bedient einen stetig wachsenden Markt der inhärent zukunftsorientiert ist.

Um am Puls der Zeit zu bleiben, schöpfen Life-Science-Unternehmen aus den Möglichkeiten von E-Health, mHealth und Digital Health und entwickeln diese weiter. Auch hier verspricht eine konsequente Digitalisierung in Backend und Frontend Erfolg: Im Backend werden Datensilos aufgebrochen und eine dynamische Anbindung neuer Systeme ermöglicht. Im Frontend werden flexible User-Interfaces geschaffen und eine zielgruppengerechte Ansprache ermöglicht.

Was Life-Science damit erreichen können:

  • Telemedizinische Überwachung von sensorgesteuerter Robotik in Prothesen und Herzschrittmachern
  • Automatisierte Prävention und Second-Opinion bei Diagnosen durch Künstliche Intelligenz und Machine Learning
  • Datenintegrität und technische Compliance durch Single-Point-of-Truth und API-Gateways schaffen.

Die Digitalisierung der Apotheken

Schon im Apothekenreport von 2018 schrieben 95 % der Apotheker in Deutschland “der Digitalisierung eine wichtige Rolle zu”. 82 % erwarteten dadurch sogar mehr Umsatz. Doch die Digitalisierung in Apotheken schreitet zögerlich voran. Dies hat verschiedene Gründe: Starke Regulierungen und bewährte Traditionen haben die Branche risikoavers und zurückhaltend gegenüber Neuerungen gemacht. Aber auch die Auswahl und Implementierung digitaler Technologien und Methoden schien Apothekern lange zu undurchsichtig.

Mit der verpflichtenden Einführung der Telematikinfrastruktur schafft der Gesetzgeber allerdings nun Fakten. Dies gilt in Apotheken insbesondere für das eRezept. Das am 20. Oktober 2020 in Kraft getretene Patientendaten-Schutz-Gesetz (PDSG) gibt die verpflichtende Nutzung des eRezepts bei der Verordnung von verschreibungspflichtigen Arzneimitteln ab Januar 2022 vor.

Hierfür müssen branchenübergreifende Lösungen gefunden werden, die Apotheker, Krankenkassen und Mediziner zusammenbringen. Und dies wäre nur der Auftakt für die Digitalisierung der Apotheken: Mit den Möglichkeiten aus der Telemedizin lassen sich viele weitere neue Wertschöpfungen für Apotheken erschließen.

Erfahren Sie mehr über die Möglichkeiten der Digitalisierung der Apotheken

Digitale Krankenkassen – Prävention als Schlüssel

Ob privat oder gesetzlich: Krankenversicherungen stehen diametral zu den übrigen Branchen in der Medizin. Pharma, Healthcare und Biotech verdienen vor allem an der Behandlung von Patienten. Krankenkassen dagegen haben Chancen auf Gewinn, wenn ihre Beitragszahler gar nicht erst behandelt werden müssen. Der Schlüssel für den Erfolg der Krankenkassen liegt daher in der Prävention.

Dazu kommt eine Versicherungslandschaft, die sich besonders unter den gesetzlichen Versicherern kaum durch Unterschiede in den Beitragszahlungen auszeichnen kann. Der Wettbewerb unter den Krankenkassen um die Gunst der Versicherten entscheidet sich daher an der Ausweitung des eigenen Angebots und deren Annahme durch die Versicherten.

Durch die Einführung der Telematikinfrastruktur bieten sich dabei ganz neue Chancen in der Digitalen Transformation der Krankenkassen. Mit digitalen Angeboten wie der elektronischen Patientenakte (ePA) können Krankenkassen den sensiblen Punkt des Datenschutzes für ihre Versicherten transparent machen, Kontrolle übertragen und an Vertrauen gewinnen. Wichtig ist dabei eine zielgruppengerechte Kundenansprache über plattformübergreifende Anwendungen. Die Krankenkasse, die die ePA für alle ihre Versicherten gut anwendbar machen wird, wird sich einen bedeutenden Wettbewerbsvorteil sichern.

Hinzu kommt: Je besser solche digitalen Angebote für die Versicherten anwendbar sind, desto erfolgreicher unterstützen sie auch die Behandlungen und die passive Prävention. So fand der DAK Gesundheitsreport 2020 heraus: “Die Anzahl derjenigen, die die Digitalisierung als Entlastung wahrnehmen, steigt während der Corona-Krise um 37 %.”

Erfahren Sie mehr über die Möglichkeiten der digitalen Krankenkassen

Kundenansprache im digitalen Zeitalter: Neue Möglichkeiten für Marketing und Vertrieb

Customer Centricity (Kundenzentrierung, Kundenorientierung) ist unabhängig von der Branche eine der wichtigsten Grundlagen für erfolgreiches digitales Marketing – und den erfolgreichen Vertrieb.  Wer versteht, wie sich Kunden über den gesamten Prozess ihrer Customer-Journey hinweg ansprechen lassen, wird sich langfristig erfolgreich im digitalen Markt positionieren können. Die Ansprüche an die einzelnen Branchen können sich dabei im Detail unterscheiden. Wir stellen Ihnen zwei Beispiele aus Healthcare und Pharma vor.

Healthcare-Marketing

Angebote wie NetDoktor oder das Online-Angebot der Apotheken Umschau zeigen: Durch umfassende seriöse Beratung lassen sich Nutzer bereits ansprechen, bevor sie zu Patienten werden. Der Schlüssel ist eine umfassende und seriöse Beratung, die Vertrauen aufbaut. Dies fördert nicht nur die positive Einstellung der Patienten gegenüber einer möglichen späteren Behandlung, sondern sorgt auch aktiv für Prävention und Früherkennung von Krankheiten in der Öffentlichen Gesundheit.

Modernes digitales Marketing im Gesundheitswesen beginnt auf diese Weise nicht erst in der Spätphase des Marketing-Funnels (der Punkt, an dem Patienten konkret nach Therapie- und Behandlungsmöglichkeiten suchen), sondern es setzt bereits in dessen Frühphase ein, in der Nutzer “ihre Symptome googeln” oder sich proaktiv über Präventionsmaßnahmen informieren wollen.

Schon zu diesem Zeitpunkt können Sie mit Ihrer Marke ein Vertrauen schaffender und verlässlicher Partner sein, wenn Sie entsprechende nicht-werbliche Angebote, wie etwa einen kostenlosen Experten-Ratgeber, ausspielen können. Dabei spielen vor allem eine zielgruppengerechte Ansprache und Optimierung auf User-Experience eine Rolle.  Je nach Angebot und Zielgruppe sind unterschiedliche Wege geeignet, sei es gedruckt, als Website oder als native App für Smartphones.

Pharma-Marketing & Vertrieb

Digitale Kanäle ermöglichen es auch Pharmaunternehmen, mit potentiellen Kunden bereits vor ihrer Kaufentscheidung in Kontakt zu treten. Dies erfordert jedoch eine vollkommen neue Sichtweise auf Kunden und ihre Bedürfnisse. Ein guter Weg kann es sein, die Apotheken in ihren digitalen Angeboten zu unterstützen: Während es mittlerweile normal ist, nachts online noch eine Pizza zu bestellen, gestaltet sich der Medikamentenkauf ungemein komplexer, auch bei OTC-Produkten. Genau dort wünschen sich die Kunden Fortschritte.

Entscheidend für den Erfolg ist es, die Ziele zur kundennahen digitalen Transformation nicht auf einzelne Abteilungen oder Prozesse zu reduzieren. Ein kundenzentrischer Fokus verlangt eine konsequente Veränderung der Geschäftsstruktur und die zentrale Umsetzung ganzheitlicher Pläne. Dafür ist es auch nötig, alte Modelle abzulegen: Die Unterscheidung zwischen Offline- und Online-Kanälen ist hinfällig, Kunden-Touchpoints geben den Ton übergeordnet an.

Erfahren Sie mehr über neue Ansätze im Pharma Marketing

Einen deutlichen Mehrwert für Pharma-Unternehmen und Apotheken können dabei Plattformen für den digitalen Vertrieb schaffen. Sie bieten etwa Apotheken Vorteile durch gemeinsamen Einkauf und ermöglichen zugleich Herstellern eine zielgerichtetere Steuerung ihres Marketings. Auf solchen Plattformen werden alle Marktteilnehmer vernetzt, was neue Kontaktpunkte zwischen ihnen schafft und zur Optimierung auswertbare Datensätze produziert.

Dazu müssen die Unternehmen allerdings den Mut aufbringen, mehr zu sein als bloße Arzneimittel-Produzenten, und eine offene Kultur etablieren, in der Kundenfokus, Innovation und Umsetzungsgeschwindigkeit in den Vordergrund rücken. Aber vor allem müssen die Patienten deutlich erkennen können, dass sich die Anbieter gänzlich in den Dienst ihrer Gesundheit stellen. Deshalb ist die digitale Schnittstelle zum Kunden, das Frontend, der richtige Ort, um die digitale Transformation in Angriff zu nehmen.

Erfahren Sie mehr über neue Ansätze im Pharma Vertrieb

Die Digitalisierung entwickelt sich nicht nur in den einzelnen Branchen des Gesundheitswesens mit unterschiedlicher Geschwindigkeit, auch die Unternehmensstruktur spielt dabei eine größere Rolle. So treiben neu gegründete Startups ohne den technischen Ballast (Stichwort Legacy-IT) der traditionellen Konzerne Innovationen schneller voran. Dafür sind die etablierten Marktteilnehmer strukturell und finanziell besser aufgestellt und können bereits auf einen breiten Kundenstamm zurückgreifen.

Erfolgreich sind Sie dann, wenn Sie die vielversprechenden Trends von morgen erkennen und in Ihr Unternehmen integrieren. Wir stellen Ihnen einige zukunftsweisende Trends aus verschiedenen Bereichen vor.

Healthtech – Startups treiben die Digitalisierung voran

In der Finanzwirtschaft haben es “Fintechs” und “Insurtechs” vorgemacht, jetzt greift das disruptive Konzept der Startups auch den Gesundheitsmarkt an. Mit aktuellsten Technologien und Methoden steigen diese Startups spitz in eine Marktnische ein. Ihre Zauberformel? Kunden mit digitalen Services und Interfaces ansprechen. Deshalb können sie sich auch mit den dominierenden Platzhirschen messen, die ein viel breiteres Angebot unterhalten und oftmals in der Digitalisierung hinterher hinken.

Von den Healthtech-Startups lernen heißt also siegen lernen? Nicht unbedingt. Startups sind oft technologische und unternehmerische Versuchslabore. Nicht alle Ideen setzen sich durch. Etliche scheitern an der Kundenakzeptanz, andere an der Skalierung ihres Geschäftsmodells. Doch gerade hier können etablierte Unternehmen eingreifen und erprobte Konzepte in ihre Unternehmensstruktur und ihr Angebot übernehmen.

Durch die Effekte des E-Health-Gesetzes und die Umstellung auf die Telematikinfrastruktur (TI) befindet sich das Gesundheitswesen auf dem deutschen Markt in einem radikalen Umbruch. Noch dreht sich die Digitalisierung in den Unternehmen und Einrichtungen vor allem um die Einführung und Adaption der TI. Doch in Zukunft gilt es, die neuen Möglichkeiten von Telemedizin auszuschöpfen!

Digital-Trends im Gesundheitswesen 2022:

  • Optimierung und konsequenten Ausbau digitaler Prozesse erreichen
  • Wertschöpfungen aus den Möglichkeiten der Telemedizin generieren
  • Angebote der Digital Health mit Big Data und Machine Learning ausweiten
  • Wearables und andere IoT-Lösungen der mHealth entwickeln

Erfahren Sie mehr über die großen Trends im Gesundheitswesen 2022

Für die Unternehmen in der Pharmaindustrie wird es in den nächsten Jahren darauf ankommen, die Digitalisierung in internen Prozessen und im externen Vertrieb fortzuführen und diese miteinander zu vereinbaren. Dabei müssen Systeme und Prozesse geschaffen werden, die den gestiegenen Ansprüchen aus Forschung und Entwicklung sowie Marketing und Vertrieb gerecht werden: So gewährleisten Sie eine schnellere Time-to-Market, günstigere Produktion und eine optimale Customer-Experience.

Digital-Trends der Pharmaindustrie 2022:

  • Künstliche Intelligenz und IoT in Forschung und Entwicklung anwenden
  • Branchenübergreifende digitale Lösungen mit Apotheken und Krankenkassen entwickeln, um Endkunden direkt und datenschutzkonform ansprechen zu können
  • Öffnung von Datensilos und Datenintegrität in verbundenen Systemen

Konkreter Einsatz von Technologien und Methoden im Unternehmen

Künstliche Intelligenz, Internet of Things oder Blockchain – diese Technologien sind auch im Gesundheitswesen keine Zukunftsmusik mehr, sondern bereits vielfach angekommen. Ob sie auch eine nachhaltig erfolgreiche Zukunft möglich machen, hängt dabei stark von den jeweiligen Unternehmen und ihrer Ausrichtung am Markt ab.

Datenintegrität in der Pharmaindustrie

Damit Daten nicht nur GxP-konform sind, sondern zu einem echten Wettbewerbsvorteil werden, müssen sie neben den ALCOA-Kriterien noch ein weiteres Kriterium erfüllen: Sie müssen in übersichtlichen Dashboards visualisiert werden. Denn nur so werden komplizierte Zusammenhänge auf einen Blick erfassbar und aus abstrakten Zahlen geschäftskritische Informationen, die als Grundlage für evidenzbasierte Entscheidungen dienen.

Erfahren Sie mehr über Datenintegrität in der Pharmaindustrie

KI in der Pharmaindustrie

Bereits in der Frühphase der Corona-Pandemie, als noch keine zuverlässigen Schnelltests verfügbar waren, konnte ein vom chinesischen Tech-Riesen Alibaba entwickeltes KI-System CT-Aufnahmen von Lungen der Erkrankten in rund 20 Sekunden auswerten und bestimmen, ob es sich um eine Covid-19-Infektion handelt. Menschliches Personal benötigte dafür zehn bis 15 Minuten. Das Beispiel zeigt, dass KI eine Schlüsseltechnologie in der Digitalen Transformation der Pharmabranche ist.

Erfahren Sie mehr über KI in der Pharmaindustrie

Whitepaper zur Digitalisierung im Gesundheitswesen

Wo liegen die Potenziale der Digitalisierung Ihres Unternehmens? Wir zeigen Ihnen die Chancen und Herausforderungen bei der Digitalen Transformation im Gesundheitswesen. In unserem aktuellen Whitepaper finden Sie die Informationen dieses Artikels und weiterführende Einordnungen übersichtlich aufbereitet für die weitere Verwendung in Ihrem Unternehmen.
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